Gesang mit vielen dynamischen Nuancen

Chor des Musik-Instituts gastierte mit Rossinis „Petite Messe solennelle“ in der Kastorkirche

Koblenz. Als Gioacchino Rossini im Jahre 1863 seine „Petite Messe solennelle“ schrieb, sah der Komponist für sein Werk zunächst eine kleine Besetzung mit einem achtköpfigen Chor, vier Solisten sowie Klavier und Harmonium vor. Diese Fassung für zwei Tasteninstrumente, die Rossini seinem später entstandenen Orchestersatz vorzog, präsentierte jetzt der rund 60-köpfige Chor des Musik-Instituts Koblenz gemeinsam mit Solisten zum Auftakt der Konzertsaison unter der Leitung von Jochen Schaaf in der Basilika St. Kastor .

Eigentlich ist Rossinis „Petite Messe solennelle“ in der kammermusikalisch anmutenden Fassung für Klavier und Harmonium vor allem bei kleineren Chören beliebt, denen große romantische Konzertliteratur schon allein wegen der Besetzung nicht zugänglich ist. Doch auch Dirigent Thomas Schaaf wählte für seinen großen Chor des Musik-Instituts diese Variante. Dabei entsteht allerdings nach kurzer Zeit der Eindruck eines Ungleichgewichts: Zwar agiert Wolfram Koloseus am Flügel – ergänzt von den reizvollen Klängen des Harmoniums (gespielt von Wolfgang Siegenbrink) – durchaus engagiert, wird jedoch von der Stimmkraft des Chores des öfteren niedergesungen. Bisweilen entsteht gar der Eindruck, Klavier und Harmonium spielten nur eine stark untergeordnete Rolle .

Passender wirkt da schon die Kombination von Solisten und Instrumenten, in der sich der Klang in der Balance hält und somit ein harmonisches Miteinander entsteht. So präsentieren etwa Iris Kupke (Sopran) und Marion Eckstein (Alt) ein schönes „Qui tollis“, das in dem flehenden „Miserere nobis“ seinen Höhepunkt findet. Ein wenig schwerfällig wirkt Solist Alexis Wagner (Bass) in seiner Darstellung des „Quoniam“, und auch der in Piano-Passagen etwas dünn klingende Tenor Gor Arsenian hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck .

Knallig und alles andere als dünn präsentiert sich der Instituts-Chor, der in der Lage ist, etwa im „Et resurrexit“ selbst ein Fortissimo noch zu steigern. Diffizile polyfone Passagen scheinen den Sängern allerdings ein wenig Kopfzerbrechen zu bereiten. So ist es für diesen großen Chor nur bedingt möglich, die einzelnen Stimmen etwa in den Fugen am Ende des „Gloria“ und des „Credo“ deutlich herauszuarbeiten. Zumindest in den hinteren Bankreihen der halligen Basilika lassen sich die unterschiedlichen Stimmen so nur noch rudimentär auseinanderhalten .

Wunderbar dagegen gelingt dem Chor das „Benedictus“, in dem Schaaf seinen Sängern zarte Piano-Klänge entlockt. Dabei zeigt sich, zu welch feinen dynamischen Nuancen dieser Chor unter der Leitung von Jochen Schaaf zu singen fähig ist. Dass diese große Anzahl von Sängern eben nicht nur laut, sondern auch durchaus filigran agieren kann, versöhnt mit mancher Unausgewogenheit an diesem Abend und weckt Vorfreude auf die kommenden Konzerte des Instituts-Chores.

Christiane Hausding

RZ Koblenz und Region vom Montag, 6. September 2010, Seite 12