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Februar
2011

Feuriges Konzert inklusive Schlachtenlärm

Bonner Generalmusikdirektor Stefan Blunier mit Beethoven Orchester am Freitag zu Gast beim Musik-Institut

 RZ v. 08.02.2011:

Von unserem Redakteur Claus Ambrosius

Der 1964 in Bern geborene Stefan Blunier studierte Klavier, Horn, Komposition und Dirigieren, trat anschließend als Pianist international bei Klavierabenden, Rundfunkproduktionen und Liederabenden auf, machte als Dirigent eine ganz klassische und überaus beachtliche Theaterkarriere an den Häusern in Mainz, Augsburg und Mannheim. 2001 wurde er Generalmusikdirektor am Staatstheater Darmstadt, seit 2008 steht er als Generalmusikdirektor der Bundesstadt Bonn dem Beethoven Orchester Bonn als Chefdirigent und der Oper Bonn als Generalmusikdirektor vor. Am kommenden Freitag ist er mit seinem Bonner Orchester zu Gast beim Musik-Institut: Wir sprachen vor dem 5. Anrechtskonzert mit Stefan Blunier über das Programm des Abends und sein Verhältnis zu Beethoven.

Herr Blunier, Sie sind Chefdirigent eines Orchesters, das einen Komponisten im Namen trägt. Hat sich mit Ihrer Verpflichtung nach Bonn Ihr Verhältnis zu Beethoven verändert?

Es ist intensiver geworden, aber die Auseinandersetzung mit Beethoven hat mich meine ganze Karriere hindurch begleitet. Schon als Pianist waren seine 32 Klaviersonaten für mich die „Bibel“. Aber natürlich hat das Beethoven Orchester, das auch noch so heißt, eine besondere Beziehung zu ihm.

Diese Auseinandersetzung ist also schon zentral für das Beethoven Orchester?

Ja und nein. Natürlich spielt ein Bruckner-Orchester mehr Bruckner als andere Klangkörper, und als Beethoven Orchester ist das ganz ähnlich. Aber das bedeutet vor allem, dass wir gerade in Bonn auch einmal außergewöhnliche, selten gespielte Werke von Ludwig van Beethoven vorstellen, die sie sonst nirgends zu hören bekommen. Ansonsten muss auch das Beethoven Orchester unglaublich vielseitig sein, vom Barock bis zur schweren Romantik alles abdecken.

Wenn Sie es ganz kurzfassen können: Wie hat sich über die Zeitspanne Ihrer bisherigen Karriere unser Blick auf die Beethoven-Interpretation geändert, und wie können Sie das umsetzen?

Da gibt es natürlich Namen wie Nicolaus Harnoncourt oder auch britische Dirigenten, die unsere Hörerfahrungen in Richtung der historischen Aufführungspraxis erweitert haben. Das gilt für Beethoven ganz genau so – den werden Sie heute nicht mehr so aufgeführt hören wollen wie 1950. Ich setze das auch in Bonn um: Stücke, die mein Vorgänger beispielsweise noch mit 15 ersten Geigen spielen ließ, gehe ich grundsätzlich mit 12 ersten Geigen an. Das macht schon einen ganz anderen Klang aus und ganz andere Möglichkeiten des Differenzierens.

Sie haben in Koblenz am kommenden Freitag ja neben dem dritten Klavierkonzert und der dritten Sinfonie ein außergewöhnliches Stück dabei: „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“. Was werden wir da vom Beethoven Orchester hören?

(lacht) Da werden Sie streckenweise tatsächlich mal ganz wenig vom Orchester hören. Wir haben das Stück jetzt auch in Bonn gespielt, und da haben die Augen der Besucher geglänzt. Es gibt eine Reihe von Trommlern, die richtig szenisch von links und rechts spielen, dazu noch die Schlagzeuger im Orchester – in diesem Schlachtengemälde sind zehn Schlagwerker zugange, da ist wirklich etwas los. Zugegebenermaßen ist das jetzt sicherlich nicht Beethovens wichtigstes Stück und nicht die wertvollste Komposition, aber mit diesem Getümmel ist es ein echtes Happening.

... das ja in die große Sporthalle Oberwerth ganz gut hineinpassen könnte?

Wir haben das Stück angeboten und die Veranstalter haben sehr gern zugegriffen – da hoffe ich doch, dass es den Koblenzern genauso gut gefällt wie den Bonnern. Die dritte Sinfonie, die wir auch spielen, war von Beethoven ja zunächst Napoleon gewidmet worden – ich kann sagen, wir bieten in Koblenz diesmal ein wirklich sehr feuriges Programm an.