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10.

Dezember
2010

Reise in die neue Welt

Anrechtskonzert auf Reise in die Neue Welt. Am kommenden Freitag bereichern Bildprojektionen das Live-Orchestererlebnis in der Oberwerth-Halle.

Koblenz. Die laufende Spielzeit der Anrechtskonzerte des Musik-Instituts fällt in mancher Hinsicht aus dem Rahmen des Gewohnten: zunächst natürlich durch die Ausweichspielstätte Oberwerth-Halle, die für die Zeit des Umbaus der Rhein-Mosel-Halle die größte Konzertreihe der Region beherbergt. Aber auch eine beachtliche Phalanx prominenter Gastsolisten hebt die auf sechs Konzerte verkürzte Saison heraus.

Und in der kommenden Woche kommt ein wirklich außergewöhnliches Konzertprogramm hinzu, das die Verantwortlichen des Musik-Instituts geschickt in der Vorweihnachtszeit platziert haben: Tatsächlich kann man das dreigeteilte Konzert sicherlich auch als Geschenk an treue und neue Abonnenten und Besucher der Reihe werten. Denn an diesem Abend ist amerikanische Musik von klassischen Wurzeln bis ins vergangene Jahrhundert und zum großen Big-Band-Sound zu erleben.

Auftakt mit Bernsteins einziger Operette „Candide“

Den spritzigen Auftakt des Abends macht die quirlige Ouvertüre aus Leonard Bernsteins komischer Operette „Candide“. Dieses Stück von 1956 reicht allein schon aus, um zu erkennen, dass der charismatische Dirigent und Komponist Bernstein mehr unvergängliche Musik als nur die „West Side Story“ geschaffen hat: ein rhythmisch vertracktes Bravourstück für die Rheinische Philharmonie, eine echte Potpourri-Ouvertüre mit den überwältigend schönen melodischen Einfällen Bernsteins. Dazu runden die eher selten in deutschen Konzertsälen zu hörende Ballettmusik „Rodeo“ von Aaron Copland und das dafür umso berühmtere „An American In Paris“ von Gershwin den ersten Teil des amerikanischen Abends ab.

Zweiter Teil des Abends gehört dem Rhine Phillis Orchestra

Dann übergibt Daniel Raiskin, Chefdirigent der Rheinischen, für eine Weile den Stab an Jörg Engels: Der zweite Teil des Abends gehört dem Rhine Phillis Orchestra. Dieses ist die um zahlreiche Bläser-Gäste bereicherte Big Band der Rheinischen Philharmonie, die sich in kurzer Zeit eine erstaunliche stilistische Sattelfestigkeit erspielt hat. Gemeinsam mit der Sängerin Eva Mayerhofer verbinden sie bekannte Songs mit anspruchsvollen Arrangements.

Auch die Big Band erweist dem Komponisten Leonard Bernstein an diesem Abend ihren Tribut mit einem von Bill Reddie arrangierten Medley aus der „West Side Story“: ein idealer Vorgeschmack auf die pünktlich zum Weihnachtsfest anstehende Premiere der „West Side Story“ im Theater Koblenz.

Im dritten Teil schließlich kann man eine der beliebtesten Sinfonien des Konzert-Kernrepertoires auf eine ganz neue Weise entdecken: Der in München lebende Cellist Tobias Melle betätigt seine Hand, sofern sie nicht gerade den Bogen hält, am liebsten am Auslöser seiner Kamera. Als Musiker und Fotograf gleichermaßen erfolgreich, machte er sich vor einigen Jahren auf den Weg nach Amerika, um den musikalischen Bildern aus Antonin Dvoraks 9. Sinfonie („Aus der Neuen Welt“) visuelle Gestalt zu geben. Ausgestattet mit Kamera und Partitur, reiste er viele Monate mit Fahrrad und Rucksack durchs Land, um die grandiosen Weiten des Südwestens, die Traditionen der Indianer, den gläsernen Stahl der Wolkenkratzer und die Schönheit der Landschaft im Osten einzufangen und mit Dvoraks Komposition zu verschmelzen. Diese Bilder werden zum Live-Spiel der Rheinischen Philharmonie projiziert: die Neue Welt in ganz neuen Bildern.

"cla" Rhein-Zeitung

Ein Vorgeschmack zu den Reiseimpressionen von Tobias Melle findet sich auf seiner Homepage im Internet unter der Adresse www.tobiasmelle.de